Know How

Zwiften mit einer Dumb-Roll – nichts ist unmöglich

Elektro By: Michael Sinner 24 Sep, 2020 0

Die Wintersaison sportlich zu nutzen war selten so leicht wie heute. Zwift hat den Rennsport ins Wohnzimmer geholt. Und die teuren Geräte finden reissenden Absatz. Doch muss man ein Vermögen ausgeben um das virtuelle Training anzutesten? Nein. Und wir zeigen euch wie. Gleichzeitig räumen wir falsche Aussagen in Magazinen und von Experten aus der Welt.

Negative Vorurteile gegenüber virtuellisiertem Training gibt es viele. Wie auch e-Bikes polarisiert Zwift. Rennradfahren findet draußen statt. Das mag gut und schön sein. Doch genauso hat das Training im Wohnzimmer einige Vorteile. Zeitlich flexibler und eine trockenere und wärmere Erfahrung in der Wintersaison. Nur um mal ein paar zu nennen. Diese Stärken erkennen immer mehr Amatuersportler und so wird das Thema Land ein Land auf diskutiert.

So auch im allseits beliebten Antritt Podcast vom Mai 2020. In dem leider eine entscheidende Fehlinformation in den Raum geworfen wurde. Fürs virtuelle Training muss man dedizierte Hardware haben. Sprich eine Smartrolle mit Wattmesser. Doch das ist leider falsch. Der Einstieg ist viel einfacher. Wie Zwift im eigenen Forum bestätigt.

Eine “Dumb”-Roll ist völlig ausreichend!

Die Mindestausstattung zum Zwiften ist eine fast beliebige Rolle und ein Kadenz- und Umdrehungssensor fürs Laufrad. Ja, eine “Dumb”-Roll ist völlig ausreichend! Folgende Modelle sind laut Zwift möglich.

Tacx und andere Hersteller hatten lange Zeit “simple” Rollentrainer im Programm. Diese findet man noch zu Hauf in Kleinanzeigen für kleines Geld. Nur noch ein Kadenz- und Geschwindigkeitssensor fehlt und schon kann es losgehen.

Meine erste Zwift-Fahrt war auf einem Tacx Rollentrainer. Genau, diese Teile mit 3 Walzen auf denen das Rad frei steht. Die Nachbarn müssen aber hart im Nehmen sein oder am besten im eigenen Haus nicht gegeben. Denn diese Rollen sind extrem laut. Eine leisere und kleinere Option sind Rollen wie zB. der Tacx Booster. Gebraucht findet man diese ab 50 Eur, wie auch dieser den Weg in mein Winter-Heim-Trainingslager gefunden hat. Und die Zwift Saison kann starten.

Hier zwei Beispiele für beide notwendige Gadgets. Ihr seht: es muss nicht teuer sein. Statt dem “teuren Markenartikel” von Garmin sind genauso gut auch alternative Hersteller möglich. Hauptsache die Radumdrehung (Geschwindigkeit) und Kadenz wird gemessen und per Bluetooth (LE) oder ANT+ übertragen. Euer Rechner muss dieses Signal dann nur noch empfangen. Alte PCs können mit einem ANT+ oder Bluetooth Dongle nachgerüstet werden.

Garmin Geschwindigkeits- und Trittfrequenzsensor - Trainingsunterstützung Fahrrad, schnelle und einfache Montage
  • Einfache Montage - ohne Magnete oder andere Kleinteile
  • Geschwindigkeitssensor: Einfach an der Radnabe installieren, der Sensor kalibriert sich automatisch mit Ihrem Edge und liefert jederzeit präzise Daten zu Geschwindigkeit und Distanz
  • Trittfrequenzsensor: Kann an jeder Kurbel installiert werden und ermittelt die Frequenz pro Minute

Auf Amazon gibt es leider die Tacx Booster und vergleichbare Geräte nicht mehr. Da die Nachfrage stärker nach teureren Geräten gestiegen ist. Aber folgende Produkte solltet ihr in Kleinanzeigen schnell günstig finden:

  • Tacx Booster
  • Elite Force
  • und viele mehr – in der Liste von Zwift unter “classic Hardware

Nachteile der Dumb-Rolls

Wo Licht da auch Schatten. Es ist zwar ein guter Einstieg in die virtuelle Trainingswelt aber mit ein paar Einschränkungen zu genießen. Denn die Dumb-Roll wird nicht in allen Aspekten mit den teuren Alternativen mithalten können. Logisch. Aber was fehlt genau?

Ungenaue Leistungsanzeige

Die Leistung in Watt wird in Zwift für einfache Rollen basierend auf Erfahrungswerten und Labortests ermittelt. Man wählt eine von Zwift vordefinierte Schwierigkeitsstufe auf seiner Dumb-Roll. So hat der Algorithmus eine Referenz und kann den Widerstand mit Kadenz und Umdrehungszahl in eine Watt-Schätzung umwandeln. Diese ist laut Zwift sehr gut. Die Abweichung soll unter 10% sein. Was für einen Einstieg absolut ausreichend ist.

Wer jedoch exakte Werte haben möchte um sich eindeutig mit anderen zu messen wird Abstriche machen müssen.

Der Tacx Booster Rollentrainer wird permanent auf Stufe 2 gefahren. Damit die Referenz für die Wattberechnung eindeutig ist.

Limitierte Maximalwerte

Auch ist der maximale Wert im Sprint mit dieser Option etwas limitiert. Denn etwa ab einer Kadenz von 115 im höchsten Gang kommt man bei knapp unter 400 Watt raus. Im Fall meines Tacx Booster und 51×11 Übersetzung zumindest. Trete ich noch schneller dann dreht sich das Hinterrad so schnell, dass der Sensor falsche Daten erfasst. Ab da geht meine Wattzahl rückwärts. Ich kann zwar noch stärker und schneller treten, aber das Programm denkt ich gebe nach.

Das ist aber nur im Extrem relevant. Denn diese echten Sprints sind nur in manchen Situationen notwendig. Beim Training findet das selten statt. Kann aber für echte Leistungsraketen ein Dämpfer sein. Wenn euer FTP jenseits der 300 Watt liegt. Aber dann habt ihr vermutlich auch besseres Equipment :)

Unrealistische Berganstiege

Wer sich auf die echte Berganstiegssimulation in Zwift freut der wird mit der Dumb-Roll enttäuscht. Denn man kann den Widerstand nicht verändern. Sonst würde die Software völlig falsche Werte berechnen. Denn der Referenzwert muss konstant bleiben. Und so fehlt der alternierende Widerstand an der Rolle. Weder Berge noch Sprints können dann sinnvoll simuliert werden.

Keine Wettkämpfe

Um an offiziellen Wettkämpfen in Zwift teilnehmen zu können braucht man geeichtes Equipment. Mit einer Dumb-Roll kann man nur als Zuschauer partizipieren.

Fazit: Alles halb so wild

Die Vorteile überwiegen – das Zwift’en mit dem einfachen Rollentrainer ist in den meisten Fällen ausreichend. Man kann strukturierte und wattbasierte Trainingsläufe absolvieren. Und findet damit den einfachsten und günstigsten Einstieg ins moderne Rennradtraining.

Insgesamt klingen die Nachteile gravierend. Muss aber nicht sein. Denn das Zwift-Erlebnis bleibt im Wesentlichen gleich. Man kann auf einen Fundus Trainingseinheiten modernster Standards zurückgreifen. Und das generelle System abchecken. Der Einstieg kann also durchaus sehr einfach sein. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man danach erst so richtig süchtig wird. Anders ist der Erfolg Zwifts nicht zu erklären.

So empfehle ich allen Freunden, Bekannten und Bloglesern: Probiert es aus. Eine Dumb-Roll reicht für den Anfang aus. Mit einer gebrauchten Option ist die Einstiegshürde sehr klein. Und das sollte es einem unbedingt Wert sein, denn es macht wirklich Spaß und der Trainingseffekt ist sehr spürbar.

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