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SPD Pedale mit Wattmesser – Der Powermeter-Hack

Antrieb, Pedale/Kurbel/Tretlager By: Michael Sinner 21 Sep, 2020 0

Sport und Leistung gehören zusammen. So auch Rennräder und Wattmesser. Effizientes Training und eine detailierte Leistungsanalyse machen die Sensoren bei Rennrad-Sportlern so beliebt. Ohne ist modernes Training undenkbar. Gravel Bikes sind auch eine Abwandlung des Rennrads. Jedoch rechnen Hersteller der Sensoren heute noch selten mit diesem Klientel. Insofern gibt es kaum Wattmesser-Pedale für SPD-Klickpedale. Also basteln wir uns wieder selbst was. Ein echter Hack für Datenjunkies.

Idee und Motivation

Gravel- und Allroad-Bikes sind ein Trend. Damit bringt man nicht nur Rennrad-Optik ins Abenteuer abseits der Straße. Sondern auch echten Sport mit entsprechenden Ambitionen. So zum Beispiel in der Gravel-Rennserie “Orbit 360” – welcher 2020 zum ersten Mal in allen 16 Bundesländern der Republik ausgetragen wurde. Dabei rollten ambitionierte Sportler auf Rädern aller Art. Mountainbikes als auch Rennräder mit richtig dicken Reifen. Die Grenzen zwischen den Radgattungen Rennrad, Cyclocross, Randonneur oder Gravel-Bike sind fließend. Und damit springen immer mehr Hobby-Rennradler auf Schotterpisten um. Doch alte Gewohnheiten will man nicht ganz ablegen.

Denn mit den immer mehr aufkommenden Gravel-Rennen entsteht entsprechender Leistungsdruck. Man will sein Training vom Rennrad aufs Graveln übertragen. Bedeutet in vielen Fällen entsprechend auch einen Leistungsmesser (Wattmesser) zu benutzen. Doch leider sind diese praktisch alle für Rennradpedale entwickelt. Eine SPD-Klickpedal-Lösung sucht man vergebens.

Entsprechend wurde ein Hack aus der Fahrrad-Community als Sensation gefeiert. Ein paar findige Bastler sind auf die naheliegende Idee gekommen Pedale mit Wattmesser selbst umzurüsten. Von einem Klick-System auf das andere. Und ja: es funktioniert!

Von Hobbybastlern zuerst entdeckt

Unter Radtechnik-Nerds ist der Youtube-Channel von GPLama (Shane Miller) beliebt. Hier wurde auch das erste Video zum SPD-Pedal-Wattmesser-Hack vorgestellt. Was bereits viele Nachahmer gefunden hat. Er selbst referenziert aber weitere Quellen aus der Community, wodurch er selbst erst auf die Idee gekommen ist. Wie dem auch sein mag: wir führen diese Liste der Nachahmer weiter fort. Und zeigen euch, wie auch ihr diesen Hack für euch nutzen könnt.

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SPD Wattmesser Pedale umbauen

Der Umbau ist tatsächlich viel einfacher als man denkt. Mit haushaltsüblichem Werkzeug zu bewältigen und nahezu Risikofrei. Sensoren zur Wattmessung sind denkbar empfindlich. Sie müssen auf extrem feine Materialverformungen reagieren (auch wenn wir viel Kraft und Gewicht auf das Material ausüben, so ist der Sensor selbst extrem empfindlich). Doch diese Modifikation in der Heimwerkstatt ist ungefährlich für den Sensor. Denn die Elektronik sitzt gekapselt und geschützt abseits der Pedalplattform. Da nur die Plattform gewechselt wird ist alles sicher.

Risiko – Garantie: Zwar wird in dieser Anleitung das Originalteil des Herstellers (Favero Assioma) nicht modifiziert. Aber eben ein Pedalkörper einer anderen Marke installiert. Somit ist fragwürdig ob die Garantie des Produkts erhalten bleibt. Vermutlich würde die Kulanz des Herstellers das hergeben, aber versprechen kann man das nicht. Insofern: Bitte beachtet, dass ihr alle Modifikationen an euren Produkten unter eigener Verantwortung durchführt.

Die Basis für diesen Hack sind Favero Assioma Pedale. Die einen Leistungsmesser an der Pedalachse haben. Die Achse selbst ist universell und bei anderen Herstellern baugleich im Einsatz. Jedoch sind nicht alle Pedale kompatibel mit diesem Umbau.

Favero Assioma Uno – Rechtseitiger Power Meter mit Pedalachse

Shimano Pedale sind beispielsweise nicht kompatibel. Denn diese werden zwar ähnlich auf eine Achse montiert. Jedoch sind unterschiedliche Gewinde am Werk. Auch das Lager ist anders. Ich hatte tatsächlich zum Testen ein paar Shimano PD ES600 SPD Pedale auseinander genommen. Die Achse ist zwar sehr ähnlich zu den Favero Assioma Pedalen, aber eben nicht gleich. Auch ist das Lager anders aufgebaut.

Aktuell bekannt als kompatibel zum Austausch sind Pedale von . Diese haben die baugleiche Achse zur Aufnahme der Pedalplattform. In folgender Anleitung werde ich ein paar “M-Force 3” von expedo zum Umbau nutzen.

Schwierigkeitsgrad: leicht
Werkzeug: Sechskant-Schlüssel-Set, 6mm-Nuss (Kopf) und Drehmomentschlüssel

Zuerst müssen die Pedale von den Kurbelarmen genommen werden. Bei allen Gewinden an den Pedalen gilt: Umgekehrte Drehrichtung beachten. Viele der Gewinde sind Links- oder Rechtsgewinde (je nachdem ob inneres oder äußeres Gewinde und/oder ob linkes oder rechtes Pedal). Geht am besten immer mit viel Gefühl an die Sache! Zur Demontage auch die Tipps in der Anleitung zur Montage der Pedale beachten.

An den Pedalen ist die Drehrichtung einfach zu merken: rechtes Pedal mit Rechtsgewinde und linkes Pedal mit Linksgewinde!

Wie folgt könnt ihr die Favero Assioma Pedale umbauen. Übrigens bietet Favero Assioma auch Ersatzteile für die Wattmesser-Pedale. Man kann den Sensor mit Pedalachse einzeln schon für knapp 419,00 Eur (aktueller Preis 2020-09-21) bestellen. Vergesst aber nicht auch ein Ladegerät für die Pedale zu bestellen, da dieses beim Ersatzteil nicht mitgeliefert wird.

Tipp: Übrigens müsst ihr bei der Montage der Pedale am Kurbelarm vorsichtig sein. Häufig wird angenommen, dass Pedale nicht allzu fest montiert werden müssen. Da aufgrund der umgekehrten Drehrichtung die Pedale sich “selbst festziehen”. Das ist jedoch falsch! Pedale müssen mit sehr hohem Druck befestigt werden – mehr dazu im Artikel zur Montage der Pedale.

Fazit – Läuft

Was bleibt zu sagen: Der Umbau ist Kinderleicht. Die Funktion wird nicht gestört. Und der Leistungsmesser funktioniert tadellos. Wie auch in vielen anderen Erfahrungsberichten kann ich nur zustimmen. Diese Lösung ist gangbar und ermöglicht ganz neue Trainingsformen.

Für mich ist diese Option sogar doppelt gut. Da ich generell SPD Pedale dem Clicksystem von Look/Shimano gegenüber favorisiere. Gravel-Schuhe sind bequemer auf lange Distanzen und bieten die Möglichkeit auch unterwegs ein paar Schritte zu laufen. Ohne sich gleich blöd vorzukommen. Was mit Rennradschuhen einfach nervig sein kann. Insgesamt ist das System ultra flexibel, da der Wattmesser von einem Rad aufs andere schnell übertragen werden kann. Was (neben dem Preis) die Pedale besonders attraktiv macht, im Vergleich zu anderen Wattsensor-Lösungen.

Alternativen zu diesem Hack

Neben den Favero Assioma gibt es noch die Möglichkeit direkt vom Hersteller SPD-Pedale mit Wattmesser zu beziehen. Und zwar von IQ-Square. Jedoch sind diese Pedale zwar seit Jahren angekündigt, mit einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne. Aber bis heute nicht ausgeliefert! Als einer der Backer der Kampagne bin ich noch immer guter Hoffnung, dass das Produkt auch demnächst kommt (erste Tests und Reviews sind bereits veröffentlicht). Aber das wäre die erste echte Alternative für MTB-Pedale zu diesem Hack.

Ansonsten bleiben auch noch andere Optionen. Beispielsweise Watt-Sensoren die an der Kurbel ansetzen. Auch diese sind relativ flexibel, wenn man eine einseitige Lösung akzeptiert (Sensor am linken Kurbelarm). Das Angebot von 4iiii zur “Precision Power Meter” Kurbel (ab 259Eur). Oder der Stages Kurbelarm (aktueller Preis 2020-09-21) liegt bei 299Eur. Diese Preise kann aktuell keiner unterbieten. Jedoch hat man die meiste Flexibilität mit Sensoren am Pedal. Bleibt übrig zu sagen: jedes System hat seine Vor- und Nachteile! Auf die Stärken und Schwächen einseitiger Messungen werde ich Mal in einem zukünftigen Beitrag eingehen.

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2 comments

  • Top Anleitung! Dankeschön!
    Ich nutze mein Gravelbike/Randoneur auch gerne und viel zum Pendeln, weshalb ich bisher Kombi-Pedale (SPD/Flat) am Rad habe.
    Gibt es auch Kombi-Pedale, die mit der Favero-Pedalachse kompatibel sind?

    • Also wenn man bei Expedo bleibt wird man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Pedale mit gleicher Bauweise vorfinden. Ansonsten habe ich noch KCNC AM Trap Klickpedale Dual Side hier, die sehen vom Aufbau her auch so aus als wäre die Achse identisch aufgebaut. Müsste man aber leider erst probieren um es genau zu wissen…

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