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Fahrradschaltung – 1-fach gegen x-fach Schaltungen

Antrieb, Pedale/Kurbel/Tretlager By: Michael Sinner 12 Feb, 2019 0

Hat man einen perfekten Rahmen gefunden und sich ganz genau vor Augen geführt was man haben möchte (Touren-, Renn-, Gravel-, Allroad-, Mountainbike?). Sind die Entscheidungen für eine Geometrie, die Bremsen und Laufräder gefallen. Dann fehlt nur noch ein wesentlicher Baustein: welche Schaltung soll es werden? Und wenn ja, wie viele (Gänge)?

Das und Details zur Auswahl sonstiger Peripherie (Sattel, Lenker, Gepäck-Transportmöglichkeiten) werden in diesem vorletzten Beitrag zum Fahrradbau erläutert.

Willkommen zurück in der Beitragsserie zum Thema Fahrradbau. In diesen Artikeln berichtet Michael ‘Mischa’ Sinner von seiner Reise von der Idee einen Stahlrahmen selbst zu bauen und damit den Traum vom perfekten Rad zu verwirklichen. Alle Beiträge dazu findet ihr hier:

Schaltungen – 1-fach gegen x-Fach

Mit 12 Gängen hat SRAM erst 2018 kürzlich wieder einen Gang drauf gepackt. Das sind knapp doppelt so viele Ritzel, wie sie noch in den 80ern bei der Tour de France gefahren wurden (der klassische 6er). Das Spektrum an Gängen nimmt seitdem kontinuierlich zu, immer größere Bandbreiten werden unterstützt.

Mehr Ritzel an der Nabe am Hinterrad bedeutet, dass im Gegenzug an der Kurbel theoretisch auch weniger Zahnkränze ausreichen. Einen echten Sprung in der Einfachheit macht man, wenn man vorne nur noch ein Kettenblatt hat (1-fach Schaltung). Denn dann ist gar kein Umwerfer und kein Schalten an der Kurbel notwendig. Technik entfällt und damit auch die Wartung, Gewicht, Verschleiß und eine Fehlerquelle weniger. Klingt super, oder?! Dem bin ich ins Detail gegangen.

Typische 2-Fach kompakt Kurbel

Was leider bei der Shimano 105 noch immer nicht verfügbar ist, ist eine echte kompakte Schaltung. Also ein größter Zahnkranz von deutlich unter 50 Zähnen. Leider sind noch heute viele Gravel oder Cyclocross Räder mit 36/50 (2-fach) Schaltwerken unterwegs. Was am Rennrad typisch und sinnvoll ist, ist abseits von Straßen wirklich unsinnig. Denn mit einem 11er Ritzel und 50 Zähnen vorne erreicht man bei einer “normalen” Trittfrequenz (90 Umdrehungen) schon 54km/h. Das ist etwa für den finalen Sprint ins Ziel sinnvoll. Aber nicht für Touren und erst recht nichts für Schotterpisten oder Gepäck.

Deshalb bleibt für ein echtes Allroad-Bike (Gravle, Cyclocross, Tourenrad) nur die Wahl zu einer kompakteren Kurbelgarnitur. Beispielsweise gibt es entsprechende Kurbeln von Shimano, die zwar nicht zur 105er Serie gehören. Jedoch vollständig kompatibel sind, auch mit der neuesten Gruppe. Eine gute kompakte Schaltung wäre 36/46 (besser wären noch 34/46). Die Shimano 105 unterstützt theoretisch aber eine max. Ritzelgröße von 34. Wobei diese maximum in Expertenkreisen gerne nicht so ernst genommen wird.

2-Fach Kompakt: 36 und 46 Zähne vorne. 11-34 Zähne hinten. Deckt ein Spektrum von 12km/h bis sogar 50km/h noch ab (90er Trittfrequenz). http://www.ritzelrechner.de/

Die 1-Fach Kurbel im Detail

Im Vergleich dazu kann man nun eine 1-fach Schaltung daneben legen. Hier wäre eine 36-Zahn Schaltung vorne und 11-36 hinten realistisch. Eine SRAM NX Eagle könnte sogar noch deutlich mehr, ist jedoch auf Mountainbikes ausgelegt (Kompabilität mit restlichem System am Rad ist schwerer, wenn man ein Tourenrad auf Rennradbasis aufbaut).

36 Zähne vorne auf 11-36 hinten ergibt ein Spektrum von 12km/h bis 39km/h bei 90er Trittfrequenz. http://www.ritzelrechner.de/

Im direkten Vergleich

Die Vor- und Nachteile der 1-fach Schaltung musste ich lange hin und her wiegen. Bevor ich mich für das eine oder andere System entschieden hatte.

Vorteile 1-fach:

  • Geringeres Gewicht: Laut Tour Magazin beträgt der Unterschied zwischen SRAM Eagle XX1 und einer Shimano 2×11 ca 250g
  • Weniger Wartung, eine Fehlerquelle weniger für ausgefallene Technik
  • Cleane Optik (vorne)
  • Weniger Verschleiß an der Kette und an der Kurbelgarnitur durch geringere Schaltvorgänge
  • Evtl. geringere Kosten

Nachteile 1-fach:

  • Verschlechterte Kettenlinie / Effizienzverluste
  • Filigrane Kette: die hohe Bandbreite der Gänge und starke Schräglage setzen eine spezielle Kette voraus, die sich auch soweit verbiegen lässt; in Theorie mit kürzerer Lebensdauer der Fahrradkette verbunden (siehe verlinkte Tipps)
  • Geringere Bandbreite der Gänge
  • Gewöhnungsbedürftige Optik am Ritzelpaket (tellergroße Ritzel an HR-Nabe)

Übrigens wurde auch im Antritt Podcast das Thema 1-fach/x-fach kürzlich besprochen. An dieser Stelle eine dringende Empfehlung den Podcast zu abonnieren.

Ich für meinen Teil habe mich gegen die 1-fach Schaltung entschieden. Sie ist meiner Meinung für Tourenräder noch nicht praktikabel, erst recht nicht für Rennräder. Vernünftiger ist dann eine 2-fach Schaltung.

Außerdem musste ich mich gegen die Shimano 105 Kurbel entscheiden, da eine Rennrad-Schaltung an einem Tourenrad ebenso wenig verloren hat. Zwar sind die neuesten Shimano 105er Komponenten bei der Bremse, Schaltwerk, Bremsgriffen usw. gesetzt. Jedoch erfolgt die Schaltung vorne über eine 36/46 Kompaktschaltung. Leider hat Shimano diese in der 105er Serie noch nicht im Programm.

Ein Thema, welches übrigens auch bei Path Less Pedaled kürzlich besprochen wurde:

Weitere Ausrüstung

Nachdem nun die Schaltung, Bremse, Fahrradrahmenbau und -Geometrie als auch Laufräder alle besprochen sind kommen wir zum Finale. Es bleiben nur noch wenige Bestandteile, die ich im Blog nicht in der gleichen Detailtiefe erläutern werde. Hier ein paar Stichpunkte:

  • Sattel: Es wird entweder ein SQLab oder Brooks Cambium/C17 werden, das wird aber sich noch in den nächsten Touren erst mal abzeichnen müssen.
  • Lenker: maximale Breite und Kompfort mit dem Ritchey Comp Venture Max (46cm)
  • Gepäck-Transportmöglichkeiten: Um Gepäck am Rad zu transportieren braucht man einen Plan (wie möchte man das Gepäck verteilen) und die entsprechenden Ösen am Rahmen oder Gabel. Da ich eine leichte Carbon-Gabel haben wollte ohne auf Transportmöglichkeiten zu verzichten bin ich auf die Fyxation Sparta gestoßen. Sie hat je Seite drei Fixierschrauben für Frontlader bzw. Lowrider.
  • Taschen: Mein Gepäck wird vor allem auch in einer Randonneur-Tasche Platz finden. Mehr zu dem Thema in meinem anderen Blogbeitrag: http://velik.de/randonneur-bags-die-klassische-rad-und-abenteurertasche/

Im letzten Beitrag wird das vollständig aufgebaute Rad noch einmal kurz mit Bildern und ersten Tourenberichten und Erfahrungen gefeiert. An dieser Stelle aber gerne eure Fragen und Kommentare. Für welche Schaltung hättet ihr euch entschieden – und warum?

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