Fahrrad Ersatzteile und Tests

Fahrradlicht – 6 LED Leuchten im Test

Elektronik By: Michael Sinner 05 Nov, 2020 0

Von der dynamobetriebenen Funzel zur 150 Lux LED-Leuchte hat das Fahrradlicht den größten Innovationssprung aller Fahrradkomponenten in jüngster Zeit gemacht. Statt eines Seitenläufers kommt nun der Strom vom Nabendynamo oder aus Lithium-Ionen Akkus. Statt Glühlampen haben wir effizienteste LED-Lichter. In 15 Jahren hat die Lichtleistung um mehr als 700% zugenommen. Doch welche ist die beste Option für euer Rad? Ich stelle 6 Lichter nebeneinander, wie diese die Straße ausleuchten und welche Eigenschaften sie mitbringen. Vom Mini-Notfalllicht zur Nabendynamo-Leuchte. Hier findet ihr das beste Licht!

Es wurde Licht

Kaum eine Komponente am Rad hat in kurzer Zeit so viel Weiterentwicklung erlebt wie das Licht. Hier spielten zwei Effekte sich in die Arme. Einerseits wurde die StVZO bezüglich Fahrradlichter überarbeitet und öffnete sich modernen Entwicklungen zu Lichtern. Gleichzeitig hat die Effizienz der LED (Licht emittierende Diode / Light Emitting Diode) massiv zugenommen. Dabei ist die Entwicklung noch sehr Jung. Lassen wir mal 15 Jahre revue passieren.

  • 2005: Die ersten LED Fahrradlichter schaffen es zur Marktreife. Batteriebetriebene Lichter haben ein schlechtes Image: nicht StVZO konform und kurze Lebensdauer. Von den vielen Batterien abgesehen (und damit sehr klobig). Zum ersten Mal hat eine LED Leuchte eine Glühbirne “überstrahlt”, eine damals schnellere Entwicklung als von Experten vorhergesehen.
  • 2007: Innerhalb weniger Jahre erreichten die Helligkeitswerte neue Spitzenwerte am Fahrradlicht. Waren es kurz vorher nur 5, 7 oder gar 10 Lux so konnte man jetzt schon LED Lichter mit 50 Lux bekommen.
  • 2009: Hersteller haben längst ausreichend helle LED-Lichter entwickelt, die Innovation verlagert sich in immer bessere Lichtausbeute. Über “Layering” wird das Licht über Spiegel so reflektiert und gebrochen, dass es sich in mehreren Schichten auf die Fahrbahn legt und bestimmte Bereiche stärker ausleuchtet.
  • 2010: Durch die rasante Entwicklung des Smartphones entwickeln sich auch Lithium-Ionen Akkus deutlich weiter. Diese Innovation bringt alle Akku betriebenen Geräte voran, so auch LED Leuchten. Die noch meist über Akkus mit Strom gespeist werden, da Seitenläuferdynamos zu ineffizient sind.
  • 2015: Der Seitenläufer-Dynamo wird endgültig zu Grabe getragen, denn nun ist der Nabendynamo laut StVZO zugelassen als Stromgeber für das Licht. Nun hat man ausreichend Energie um Leuchten direkt mit Strom zu versorgen.
  • heute: Die großen Innovationssprünge sind fürs Erste nicht mehr zu erwarten. Stattdessen fokussieren sich Hersteller auf eine bessere Effizienz (um die Lebensdauer des Akkus zu erhöhen) und Ausleuchtung. Besonders deutsche Namen tauchen bei den Innovationen hier häufig auf: SON (Schmidts Original Nabendynamo als wegweisende Grundlage für moderne Lichter); Busch&Müller, Lupine und Supernova. Eine andere Innovationsrichtung sind Lichter, die besser ins Rad integriert werden (statt “Anknipsen” soll das Licht Teil des Rahmens und Form sein).

Doch nun zur Materie. Folgende Lichter habe ich auf dem Schreibtisch. Teilweise bereitgestellt durch Hersteller (Busch&Müller) und zum Teil für den Test eigens erworben. Die Daten und Bewertung erfolgt selbstverständlich unabhängig und unvoreingenommen. Bilder (Fotos) der Testergebnisse sind in einem manuellen Kameramodus aufgenommen um die Ausleuchtung identisch für alle Lichter wiederzugeben. Die Fotos wurden auch nicht nachbearbeitet.

Fahrradlichter im Direktvergleich, v.l.n.r: Lezyne Hecto 40, Prophete LED 80, B&M Ixon Space, B&M Ixon Core, Sigma Aura 80

Fahrradlichter im Test

In der direkten Gegenüberstellung habe ich 5 Lichter der gleichen Kategorie “Akkulicht” nebeneinander gelegt. Lichter objektiv zu bewerten ist gar nicht so leicht. Bei den Fotos und identischen Belichtungseinstellungen beim Ableuchten gehts los. Die genaue Akkulaufzeit zu ermitteln war auch nicht ganz ohne. Doch alles ist heute mit Haushaltsmitteln und etwas Mühe und Zeit möglich. Hier meine Kriterien.

Die Testkriterien eines Lichts (und zur genauen Technik komme ich weiter unten) sind:

  • Lichtausbeute (Helligkeit) in Lumen und Lux: Beide Werte werden unten definiert. Hier übernehme ich die Herstellerangabe, da ein Labor zur Messung dann doch etwas unrealistisch wäre.
  • Gleichmäßige und großzügige Beleuchtung des Fahrradwegs: Wie verteilt sich das Licht?
  • Akku-Lebenszeit (bei Akku-Lichtern): Hier habe ich nicht nur den Herstellerwert übernommen sondern einen Labortest vorgenommen (siehe unten)
  • Ergonomie (dazu zählt auch die Einfachheit zur Montage, Anzeigen zum Akkustand, etc.), auch hier gibt es ein paar Tipps unten. Schnell mit Gummistraps montierte Lichter haben auch Schwächen.

Kurz und knapp hier das Ergebnis:

Hersteller - Name
Sigma - Aura 80
Bild
SIGMA SPORT - Aura 80 | LED Fahrradlicht 80 Lux | StVZO zugelassenes, akkubetriebenes Vorderlicht
Preis
44,34 EUR
Lux / Lumen
80 / -
Lichtbild
Akkulaufzeit (Angabe / Getestet)
4h - 15h / 3:28 - 13:42
Funktionen
Spritzwassergeschützt (IPX4)
Akkustand Anzeige
4 Leuchtstärken
Montage
Flexible Gummihalterung (schnell, passt zu allen Lenkern)
Keine schraubbare Option
Bewertung

Gut - Starkes Licht mit vielen Funktionen; Bessere Halterung wäre schön, noch wichtiger aber eine weiter gestreute Ausleuchtung
Mehr Infos
Hersteller - Name
Sigma - Aura 80
Bild
SIGMA SPORT - Aura 80 | LED Fahrradlicht 80 Lux | StVZO zugelassenes, akkubetriebenes Vorderlicht
Preis
44,34 EUR
Lux / Lumen
80 / -
Lichtbild
Akkulaufzeit (Angabe / Getestet)
4h - 15h / 3:28 - 13:42
Funktionen
Spritzwassergeschützt (IPX4)
Akkustand Anzeige
4 Leuchtstärken
Montage
Flexible Gummihalterung (schnell, passt zu allen Lenkern)
Keine schraubbare Option
Bewertung

Gut - Starkes Licht mit vielen Funktionen; Bessere Halterung wäre schön, noch wichtiger aber eine weiter gestreute Ausleuchtung
Mehr Infos

Tipps zur Einstellung, Erweiterung und zur Technik selbst kommen hier aber auch nicht zu kurz. Habt ihr euch für ein Licht entschieden, dann lest euch unbedingt auch folgende Kapitel dazu durch. Denn nichts ist schlimmer als durch ein falsch eingestelltes Licht geblendet zu werden.

Weiter unten nach der Theorie werden alle getesteten Lichter auch im Detail vorgestellt!

Stirnlampen – Eine sinnvolle Erweiterung

Wer sich mit dem Licht am Rad alleine noch unsicher fühlt, dem wäre eine Helmlampe empfohlen. Denn anders als das Fahradlicht dreht sich eine Stirnlampe mit dem Sichtfeld mit. Wer im Dunkeln schon Mal eine enge Kurve mit dem Rad gefahren ist kennt das Problem. Oft biegt man ins Dunkel ab. Zusätzlich kann die Stirnlampe als Notfalllicht (mit Rotlicht und weißem Frontlicht) eingesetzt werden. Achtet beim Kauf auf diese Funktion, wie zB. bei folgendem Produkt.

Blender – Auch Radfahrer müssen abblenden

Häufig ist das Licht am Rad und damit alles erledigt. Viele Radfahrer machen sich keine Gedanken um die korrekte Einstellung. Und blenden ihre entgegen kommenden Fahrer. Dabei ist die Einstellung am Rad total einfach. Man muss sich nur kurz Zeit nehmen, eurer Mitmenschen werden es euch danken!

Hier eine kurze und schmerzlose Anleitung. Dabei müsst ihr euch, euer Rad und das Licht vor einer Wand positionieren. Welche 5m von euch entfernt ist. Ziel ist es den Weg vor euch ab 1m bis 10m optimal auszuleuchten.

a) Abstand vom Licht zur Wand (5m);
b) Höhe des Lichts (zB. 80cm);
c) Hellster Punkt sollte halb so hoch sein (40cm bei 80cm Licht-Montagehöhe)

Nach StVZO muss das Licht lediglich so angebracht sein, dass es andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet. Empfohlen ist aber folgende Einstellung, die garantiert den Vordergrund und nicht die entgegen kommenden Radfahrer ausleuchtet. Das Rad samt Licht wird 5m zu einer Wand hingestellt. Der hellste Punkt des Lichts muss nun halb so hoch sein wie die Aufhängung des Lichts. Wenn euer Licht also auf 80cm Höhe am Rad befestigt ist, dann sollte der hellste Punkt an der Wand auf 40cm Höhe sein.

Und damit sollte das Thema auch schon fertig sein. Fixiert das Licht noch leicht, damit es sich nicht von alleine verstellt. Diese korrekte Einstellung werden euch alle anderen Radfahrer danken!

Was macht ein gutes Licht aus

Der eklatante Helligkeitsgewinn ist zu begründen mit dem Einsatz besserer Kühlmaßnahmen und mehr verbauter LEDs. Zusätzlich wird die Ausleuchtung durch aufwändige Lichtberechnungen und Optimierungen der Oberflächenqualität der Reflektoren und Linsen immer besser. Hier konnten die Topscheinwerfer in den letzten drei Jahren die Helligkeit um 700% erhöhen.

Marcus Wallmeyer, Supernova – Im Interview mit aktiv Radfahren 03/2020

Die Technik des Fahrradlichts hat in den letzten Jahren echt Fahrt aufgenommen. Auch heute noch wird noch fleißig an der Lichtbrechung in den Spiegeln gearbeitet um noch mehr Licht und Effizienz und eine bessere Verteilung zu erreichen. Im folgenden zeige ich die wesentlichen technischen Merkmale, die ein gutes Fahrradlicht ausmachen.

StVZO – Was ist erlaubt

Der erste Stop ist die Zulassung eines Lichts. Schließlich ist das Licht eines der elementaren Elemente zur Teilnahme am Straßenverkehr. Es geht nicht ohne. Zur eigenen Sicherheit und um selbst keine Zumutung anderen Teilnehmern gegenüber zu sein.

§67 der StVZO regelt die Vorgaben für lichttechnische Einrichtungen an Fahrrädern. Die Zulassung der Lichter erfolgt durch das KBA (Kraftfahrt-Bundesamt), welches die K-Nummer für Lichter vergibt (Wellensymbol). Hierbei wird überprüft ob beim Licht die Hell-Dunkel-Grenze eingehalten wird. Zuletzt muss man noch drauf achten, dass das Licht zwischen 40-120cm Höhe verbaut wird und einen weißen Reflektor nach vorne hin hat.

Ob ein Licht nach StVZO zugelassen ist könnt ihr einfach prüfen. Dazu gibt es an jedem Licht ein Prüfnummer die von einem Wellensymbol begleitet wird.

Blinklichter dürfen hingegen am Rad nicht montiert oder verbaut werden. Als Daumenregel gilt: Lichter mit einer Blinkfunktion haben auch keine Zulassung nach StVO. Diese dürfen aber an Kleidung, Helm oder Taschen montiert werden.

Übrigens:

  • es gibt keine Pflicht im Hellen ein Licht am Rad mitzuführen
  • bis zu max. zwei Lichter dürfen am Rad montiert werden (je zwei vorne/hinten)

Lux und Lumen

Beide Begriffe sagen etwas über die Helligkeit aus, jedoch aus zwei verschiedenen Perspektiven. Um diese Werte beim Fahrradlicht besser einordnen zu können müssen wir also erst Mal beide Begriffe verstehen. Und dann ins Verhältnis setzen. Damit wird dann klar, warum Hersteller sich auf einen Wert eingeschossen haben.

Lux (oder auch Luxmeter) bedeutet die Beleuchtungsstärke (wie viel Licht auf eine bestimmte Fläche fällt, je höher der Werte desto heller ist diese). Lumen beschreibt die in eine Richtung abgestrahlte Leistung.

Beide Werte (Lux&Lumen) müssen hoch sein um eine gute Leuchte auszumachen. Doch was bedeuten beide Begriffe genau?

Lumen geben den Lichtstrom-Wert an (von einer Quelle emitierend) und Lux können auf eine Entfernung und Fläche gemessen werden. Strahlen wir 200 Lumen auf genau 4m² dann hat jeder m² 50 Lux. Ein rein hypothetisches Beispiel, da das Licht sich selten so gleichmäßig ausbreiten würde.

Lumen steht für den Lichtstrom-Wert. Dieser eher theoretisch hilfreiche Name bedeutet, wie stark etwas in eine Richtung leuchtet. Anders gesagt bezieht sich Lumen auf eine Licht-Quelle und Lux bezieht sich auf eine Fläche (auf die ein Licht trifft).

Lux geben auch auf eine Entfernung und Fläche die Lichtstärke an. Dabei gilt 1 Lumen = 1 Lux wenn das Licht von einer Lichtquelle auf eine Fläche (gesamt) von 1m² fällt. Jedoch gilt in der Praxis, dass das Licht sich nicht so schön gleichförmig als Strahl ausbreitet. Sondern eine diffus große Fläche ausleuchtet. Und dabei auch noch verschiedene Flächenabschnitte unterschiedlich stark. Genug Theorie hier – nun zurück zur Praxis.

Wieso wird in der Praxis nur von Lux gesprochen? Warum schreiben alle Hersteller die LUX groß auf die Produkte?

Weil es denkbar einfacher ist sich auf einen Wert zu einigen. Und Lumen letztendlich alleine nicht aussagekräftig sind, sondern immer mit dem ausgeleuchteten Bereich oder eben Lux auf eine Entfernung gemessen werden müssten. Umgekehrt ist die Angabe der Lux alleine ebenfalls trügerisch.

Es gilt heute eine (stillschweigende?) Vereinbarung die Lux in einer Entfernung von 10m vom Rad zu messen. Damit hat man eine einheitliche Referenz, die auch praktisch sinnvoll ist für den Käufer. Denn dort ungefähr soll das Licht landen (hellster Punkt). Doch in der Praxis ist es wie immer: Schummeln geht immer.

Es ist nicht schwer mit einem Laserpointer die 100 Lux zu erreichen, doch die Beleuchtung ist denkbar schlecht fürs Radfahren. Denn man leuchtet zwar stark aber der beleuchtete Bereich ist sehr klein. So könnte man zwar sehr effizient eine kleine Fläche ausleuchten (und mit 100 Lumen auf eine kleine Fläche erreicht man leichter 100 Lux). Fürs Radfahren aber unbrauchbar.

Lux alleine sind auch nicht aussagekräftig. Erst mit Lumen (Lichtstrom-Wert) wird die Verteilung klarer. Oder indem man mit einem Leuchtbild die ausgeleuchtete Fläche berücksichtig.

Fazit – Lux und Lumen

Es bleib die beste Praxis zu sein die Lux als generelle Lichtleistung zu akzeptieren. Und sich dann im zweiten Schritt von der Ausleuchtung zu überzeugen, zB. wie in den Bildern der einzelnen Lichtkegel oben. Damit sieht man wie sich das Licht effektiv verteilt. Und kann die Lux und Lumen besser bewerten. Eine Zahl alleine wird als Kaufkriterium nicht ausreichend sein!

Aufbau, Lichtbrechung und Spiegel

Auch der technische Aufbau der Lichter ist spannend. Gerade hier hat sich die LED von den Glühlampen abgesetzt. Und viel Innovation ermöglicht.

Bei Glühlampen muss der Glühwendel, auch Glühfaden oder Glühdraht, im Brennpunkt des Spiegels sitzen. Vorne saß eine Streuscheibe um das parallel ausgehende Licht besser auf die Straße zu verteilen. Die Lichtausbeute war nicht so effizient und gut steuerbar. Das Licht kann durch die Streuscheibe gelenkt werden, jedoch ermöglichte dieser Aufbau keine präzise Steuerung.

Bei LEDs wird das Licht durch einen Spiegel so gebrochen, dass man über den Spiegel genau steuert wie das Licht auf die Straße fällt. Damit kann ein guter Hersteller, der auch viel Zeit und Ressourcen in die Forschung und Entwicklung steckt, auch eine bessere Lichtausbeute garantieren. Der Bereich weit (10m und weiter) vor dem Rad muss anders ausgeleuchtet werden als unmittelbar vorne. Den Unterschied sieht man vor allem im direkten Vergleich der Lichter aus diesem Test.

Bedeutet in der Praxis: Beim Fahrradlicht macht sich Qualität sehr bemerkbar. Deshalb sollte man hier nicht am falschen Ende sparen.

Handhabung – Fahrradlicht Montage

Clips gelten als goldene Lösung zur Montage von Lichtern. Doch das ist nicht immer die beste Idee. Alles hat seine Vor- und Nachteile. In unserem Test konnte ich Punkte finden, die auch gegen die schnellen Gummi-Halterungen sprechen.

Generell gilt, dass ein integriertes Licht viele Vorteile hat. Es ist fixiert und verrutscht nicht. Vergessen kann man es auch nicht. Nur ein Nachteil bleibt: man ist weniger flexibel. Und hier scheint die Stärke der Gummihalterung durch: das Licht kann in Sekunden an jedem Lenker montiert werden. Mal am Rennrad für die Sonntagstour und dann Montag wieder am Trekking-Rad auf dem Weg zur Arbeit.

Die Lichter von B&M werden angeschraubt und die Lichteinstellung verrutscht nicht. Trotzdem kann das Licht schnell abgenommen werden. Da Halterung und Licht zwei Komponenten sind, die man einfach an- und ab-clippen kann.

Ein verschraubtes Licht ist zwar weniger flexibel, aber es verrutscht auch nicht so schnell. Und das wäre tatsächlich ein nicht zu vernachlässigender Nachteil der Gummibänder. Fährt man über losen Untergrund oder holprige Fahrradwege, dann verrutscht ein Gummi-Clip auch schneller. Das kann auch schnell nervig werden.

Viele Lichter werden heute einfach mit Gummistrap am Lenker montiert. Das ist schnell und sexy. Jedoch zeigt sich in der Praxis: diese Lichter verrutschen bei jedem stärkeren Ruckler. Egal ob über den Bordstein, Wurzel oder einen typischen Fahrradweg, das Licht bleibt nicht stabil ausgerichtet.

Außerdem ist beim nachträglich angebrachten Licht immer zu bedenken: hat der Lenker überhaupt noch Platz für ein Licht? Mit Radcomputer und anderen Gadgets kann es schon Mal eng werden. Zudem wird ein integriertes Licht immer im Design überlegen sein. Aber das ist dann ein sehr subjektiver Aspekt.

Die Vor- und Nachteile der Gummihalterung/Clip-Montage kann man wie folgt zusammenfassen.

Stärken Clip-Montage

  • check-solid

    Schnell fixiert und ohne Werkzeug montiert

  • check-solid

    Höheneinstellung einfach mit der Hand

  • check-solid

    Flexibel von einem Rad aufs nächste mitnehmen

  • check-solid

    Diebstahlsicher – einfach in die Tasche packen

Nachteile

  • times-solid

    Licht verrutscht schneller

  • times-solid

    Platz am Lenker benötigt

  • times-solid

    “Aufgesetztes” Design

Handhabung – Features

Neben der Montage und Halterung muss ein Licht heute auch gut in der Nutzererfahrung abschneiden. Dazu gehört eine Akku-Statusanzeige und verschiedene Helligkeitsstufen. Wie gut diese Ausbaustufen ein Licht anbietet desto mehr Punkte gibt es im Test.

Eine Helligkeitseinstellung, detaillierte Akkustandsanzeige oder vielleicht eine Batterielaufzeit in Std. Solche Features sind immens wichtig bei Akku-Lichtern, denn man will nicht plötzlich im Dunkeln mit leerem Licht stehen.

Generell kann man die Akku-Anzeige in drei Lager aufteilen. Keine oder nur “kritischer Akkustand”-Anzeige. Das ist meist nicht hilfreich, da man kaum weiß wie lange das Licht noch halten wird. Dann gibt es Lichter, die eine grobe Einteilung angeben. In drei bis vier Akku-Zuständen. Ein Licht im Test hatte sogar eine % Anzeige und Zeitberechnung, wie lange das Licht im aktuellen Modus noch leuchten wird. Zwischen den getesteten Lichtern liegen hier Welten.

Auch mehrere Helligkeitsstufen ist ein wichtiges Feature. Die meisten Lichter bieten meist wenigstens zwei Stufen an. Damit kann man Strom sparen indem man das Licht der aktuellen Situation anpasst. Noch schöner wäre zwar, wenn man auch im Blink-Modus fahren dürfte. Aber das ist laut StVZO nicht zugelassen. Solche Lichter sind nur an der Kleidung und Taschen erlaubt, aber nicht am Rad.

Fahrradlicht – Akkutest

Ein paar Worte zum Test der Akkulaufzeit der Lichter. Das Setup dazu war gar nicht schwer herzustellen. Denn die Laborbedingungen kann man sich ganz einfach selbst zusammenstellen. Benötigt wird eine Kamera mit Timelapse-Funktion. Diese wird auf alle Lichter ausgerichtet, die fröhlich vor sich hin leuchten. Jede Minute wird ein Foto gemacht. Importiert man später die Fotos, kann man einfach anhand der Foto-Nr sagen, wie viele Minuten ein Licht durchgehalten hat.

Insgesamt war das Ergebnis relativ nah an den Angaben der Hersteller. Eine massive Abweichung konnte ich nicht fest stellen. Dass die Laufzeit meist nicht so lange ist wie angegeben würde ich so verzeihen. Unter echten Bedingungen werden diese gerade in der kalten Jahreszeit nicht erreicht, da Lithium-Ionen Akkus empfindlich auf kalte Temperaturen reagieren.

Fahrradlichter Vorgestellt

Folgende Lichter waren im Test. Hier ein paar Worte und Kommentare zu den Teilnehmern.

Kleiner Hinweis zu den Lichtbildern: Alle Fotos wurden mit gleichen Kamera-Einstellungen aufgenommen (f5.1, 1sek, 800 ISO mit einer Lumix G9). Dennoch sind Weißabgleich und Ausleuchtung schwer vergleichbar. Auf Fotos ist die Hell/Dunkel Kante aufgrund des hohen Kontrasts extremer als in der Realität.
Auf allen Bildern ist eine Markierung bei 5m und 10m zu sehen. Der hellste Punkt wurde auf die 10m Markierung ausrichtet.

Kurz zusammengefasst lässt sich sagen:

  • das günstigste Licht hat mangelhaft abgeschnitten, es wäre für einen universellen Einsatz auch außerhalb einer Stadt nicht zu empfehlen
  • in der Mittelklasse finden sich das Ixon Core, Aura 80 und Hecto 40 wieder; alle sind empfehlenswert aber haben ihre Schwächen und Stärken – keines der Lichter ist Makellos, aber alle erfüllen ihren Job gut und man fühlt sich damit jederzeit sicher
  • die einsame Spitze ist der Ixon Space – ein echter Brocken von einem Produkt; hier bleibt kein Wunsch offen… doch die Größe und der Preis sind ebenfalls nicht zu überbieten.

Sigma Aura 80

Der deutsche Hersteller aus Neustadt hat sich auf verschiedene elektronische Geräte spezialisiert. Insofern ist Sigma durchaus eine bekannte Marke, wenn es um Fahrradlichter geht. Das Aura 80 hat viele Funktionen und ein gutes Lichtbild.

Die Stärke des Aura 80 sind die Funktionen. Mehrere Stufen der Helligkeit und eine detaillierte Akkustand-Anzeige. Lediglich der Taster zum Ein-/Ausschalten ist hakelig. Mehrmals muss der Knopf stärker gedrückt werden bis das Licht angeht. Beim Umschalten der Modi und Ausschalten hingegen reagiert der Knopf immer – seltsam.

Die Akkulaufzeit im Test war nahe an den vom Hersteller angegebenen 4h (max) – 15h (low).

Beim Lichtbild muss man sagen, dass die ausgeleuchtete Fläche sich sehr eng verteilt. Ein stark abgezeichnetes Feld ist sehr gut erleuchtet, hingegen sind die Ränder sehr dunkel. Auch unmittelbar vor dem Rad bleibt es dunkel. In den Kurven kann es so besonders schwierig werden.

Kleines Highlight: Eine kleine LED Leiste leuchtet rundum in alle Richtungen, damit wird man auch von der Seite besser gesehen.

Lichtbild Sigma Aura 80 – Die Kanten sind sehr scharf, die Seiten schlecht ausgeleuchtet.

Fazit: Ein gutes Licht für die Stadt und um gesehen zu werden. Für Waldwege und bei kurvigen dunklen Ecken nicht so gut.

B&M Ixon Core

Auch Busch & Müller ist bei Lichtern eine bekannte Größe, ebenfalls ein Hersteller aus Deutschland. Hier findet man verschiedene innovative Produkte in sehr weit reichenden Segmenten. Von kleinem sportlichen Licht bis hin zum 150 Lux Monster. Zufällig sind zwei B&M im Test gelandet, beim nächsten Update werde ich diesen Test besser diversifizieren.

Mein Ixon Core habe ich schon tatsächlich mehrere Jahre. Es ist ein treuer Weggefährte. Da der Akku sehr lange mitspielt und die Beleuchtung stimmt. Aus der Praxis kann ich das Licht auf jeden Fall empfehlen. Robust verbaut ist es allemal. Regenwasser und diverse Stürze – des Lichts, nicht immer der Fahrer – steckt der Ixon Core locker weg.

Beim Akkustand muss man wissen, dass es keine optisch leicht ersichtliche Anzeige gibt. Stattdessen blinkt eine LED am Ein- und Ausschaltknopf, die den Ladestand angibt. Einmaliges Aufblinken entspricht 20% Ladung, blinkt die LED 5x dann sind es 100% Ladung. Ein kritisch niedriger Stand ist dann einmaliges Blinken.

Lichtbild des B&M Ixon Core – Das Lichtbild ist stimmig,

Prophete LED Licht

Um den Test mit möglichst umfangreich zu gestalten habe ich beabsichtigt schwache und starke Lichter aufgenommen. Das Prophete LED Licht ist ein typisches Discounter/Baumarkt/Amazon Produkt. Bei dem der Hersteller nicht an der Produktentwicklung besonders beteiligt ist, sondern viel mehr auf bestehende Produkte ein Logo aufbringen lässt. Dies ist in der Qualität bemerkbar.

Generell tut das Licht was es soll. Für den Preis ist es auch eine gerade so ausreichende Lösung. Die StVZO Qualifikation wird erreicht. Jedoch scheint über diese Hürde hinaus kein Lux mehr heraus gekitzelt worden zu sein.

Lichtbild der Prophete LED 80 Leuchte – Das Licht verteilt sich extrem innerhalb eines kleinen Rahmens, darüber hinaus ist wenig zu sehen. Der Bereich unmittelbar vor dem Rad wird aber noch gut ausgeleuchtet.

Fazit: So ein Licht kann in einer beleuchteten Stadt als Mindest-Lösung verstanden werden. Zum echten Ausleuchten der Fahrbahn außerhalb städtischer Beleuchtung wird es echt eng. Hier würde ich immer ein anderes Licht empfehlen.

Lezyne Hecto 40 STVZO

Das von Micki Kozuschek (Gründer diverser Fahrrad-Marken) gegründete Unternehmen mit Sitz in den USA mit Wurzeln in Deutschland und Polen hat sich ebenfalls auf LED Lichter spezialisiert. Gerade als diese Anfang der 2000er Jahre populär wurden und technologisch die größten Sprünge machten. Das getestete Hecto 40 STVZO hat sogar dem Namen nach einen Fokus auf den deutschen Markt.

Tatsächlich ist die STVZO für Fahrradlichter auch eine Art Qualitätsmerkmal geworden. So findet sich diese auch im Namen, direkt auf dem Licht wieder.

Das Hecto überzeugt durch das Metal-Gehäuse und die robuste Optik. Auch ist die Lichtausbeute sehr gut. Jedoch fehlt eine Akkustand-Anzeige. Das ist unpraktisch, denn wer will schon mit einem fast leeren Licht losfahren.

Fazit: Ein sehr gutes Licht, das nur kleinere Schwächen hat. Damit macht man nichts falsch, jedoch gibt es bessere Optionen für einen ähnlichen Preis.

Lichtbild der Lezyne Hecto 40 STVZO – Es gibt einen starken zentralen Lichtkegel, aber auch am Rand und direkt vor dem Rad ist die Fahrbahn sehr gut ausgeleuchtet.

B&M IXON Space

Zuletzt kommt das Flagship. Mit dem Space erreichen wir die absolute Spitze der Messlatte. Die Fahrbahn ist nicht nur Taghell beleuchtet, sondern das Licht sauber verarbeitet, stark am Lenker fixiert und es hat alle Funktionen die es braucht.

Eine Akkustandsanzeige sollte Minimum für das akku-betriebene Fahrradlicht sein. Der Space zeigt den Akku nicht nur Stufenlos (als %-Wert) an, sonder errechnet für die aktuelle Leuchtstärke die Restlaufzeit.

Die Größe des Space ist aber ungewöhnlich. Das Licht ist gigantisch. Es passt nicht in die Hosentasche und wirkt am Rad wie ein Fremdkörper.

Lichtbild des Busch&Müller Ixon Space – So hell ist die Fahrbahn mit keinem anderen Licht im Test.

Und Das Beste Licht ist…

Ich hoffe mit dieser umfangreichen Beschreibung zum Fahrradlicht könnt ihr jetzt selbst eine qualifizierte Entscheidung treffen. Welches Licht ist wirklich gut für euch und euren Einsatzzweck? Schreibt in die Kommentare, wenn ihr weitere Tipps habt!

Tatsächlich ist kein Licht im Test herausgestochen. Jedes hat so seine kleinen Mängel (fehlende Akkustand-Anzeige, unbefriedigende Ausleuchtung, schlechte Handhabung…). In der Mittelklasse wird man aber nichts falsch machen, denn alle Lichter sind gut und sicher. Die kleinen Mängel in der Feature-Liste muss man mit sich selbst aus machen. Ist ein Gummistrap eine ausreichende Montage? Oder sollte es doch verschraubt sein? Wie wichtig ist die Akkustand-Anzeige?

Generell lässt sich kaum sagen, welches Licht das “beste” ist. In der Regel wird man mit einem der renommierten Hersteller kaum etwas falsch machen können. Hauptsache ihr habt ein Licht dabei! Mein persönlicher Favorit bleibt der Busch&Müller Ixon, den mir bestimmt schon länger als 5 Jahre treue Dienste leistet.

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6 comments

  • Ich hab zwei verschiedene, ältere Modelle von B&M, bei denen ich mich über die Befestigungsmöglichkeiten (bzw. den Mangel derselbigen) geärgert habe. Sowohl die Montage mit Clip, als auch die mit Schnalle ließen nur eine Befestigung in der Mitte des Lenkers zu, weil der (Rennrad-) Lenker weiter außen in die Breite geht und der Clip dort zu klein bzw. die Schlaufe für die Schnalle zu kurz ist. Kann man die getesteten Modelle weiter außen, am Vorbau oder auch unter dem Lenker hängend montieren?
    Die Leuchten für Nabendynamos haben ja ebenfalls LED’s, sollte der Titel da nicht besser “Akku-Leuchten im Test” o.ä. heißen?

    • Hi Fragender,

      stimmt – LED und Akkulichter sollte man besser unterscheiden. Ursprünglich wollte ich auch zwei Nabendynamo-Lichter vorstellen. Es hat sich aber als deutlich komplizierter erwiesen diese Lichter vernünftig zu testen (Lichtbilder). Da die Lichter sehr schnell abdunkeln noch während die Kamera das Foto aufnimmt… ich werde aber versuchen diesen Beitrag hier zu aktualisieren und nicht nur über Akkulichter zu berichten. Es soll auch noch ein Post zu Akkulichtern kommen.
      Bei modernen Aero-Rennradlanker wird tatsächlich meist kein Licht so richtig gut passen… da gibt es aber sehr kreative Lösungen. Ein Post dazu ist gerade in Vorbereitung.

  • Ich fahre die Ixon Space jetzt den 2. Winter. Das große Manko ist die Halterung. Wahrscheinlich um das Ganze für veschiedene Lenkerdurchmesser kompatibel zu machen, wurde ein recht sonderbares Teil konstruiert, das sich nie richtig fixieren lässt. Ich habe die Lampe auf wurzeligen Singlerails schon zweimal komplett mit Halterung verloren.

    • Hi Tom,

      vielen Dank für den Tipp und Erfahrungsbericht! Tatsächlich kann ich mir aber nicht so gut vorstellen, dass die verschraubte Halterung verloren geht. Eventuell war das noch ein älteres Modell?

      • Auf Deinen Fotos sieht man da leider kaum was. Die Halterung, die B&M aber auf der Homepage zeigt, ist identisch mit der meiner Lampe. Es springt halt der Ränderteil der Schraube aus der relativ weichen Plastikhalterung

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