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Hartnäckige Fahrradreifen – Was tun wenn der Reifen nicht auf die Felge passt

Reifen und Laufräder By: Michael Sinner 23 Feb, 2021 0

Manche Reifen muss man nur böse angucken und sie rutschen von der Felge. Häufig braucht man die Reifenheber nicht mal auspacken. Mit etwas kneten und Druck auf die richtigen Stellen ausüben springt die Reifenwulst über das Felgenhorn. Doch manchmal will der Reifen weder auf die Felge noch runter. Da gibt es ganz spezielle Kandidaten, häufig sind es Rennradreifen oder Tubeless-Reifen. Aber auch Tourenreifen wie der allseits beliebte Schwalbe Marathon haben den Ruf, dass dieser nicht einfach zu montieren ist. Was tun? Ein Walkthrough für hartnäckige Fälle.

Für alle herkömmlichen Fälle findet ihr den Beitrag hier:

Größenangaben prüfen

Bevor wir gewallt anwenden wollen… sollten wir uns sicher sein, dass wir hier nur von engen Toleranzen bei industrieller Herstellung sprechen. Und nicht falsche Reifen auf zu große Felgen versuchen zu ziehen. Folgende Größen solltet ihr kennen:

  • 28″ (28er oder 28 Zoll Reifen): Die gängige Größen bei allen modernen Fahrrädern. Auch bekannt als 29er (Marketing-Name für große MTB-Reifen, die jedoch die gleiche Ausgangsgröße zur Felge haben). Es kommt immer auf den Innendurchmesser des Reifens an. Dieser ist 622mm nach ETRTO Angabe bei 28er Reifen. Euer Reifen sollte also eine Größenbezeichnung nach folgendem Muster haben: xx-622. Die ersten zwei Zahlen sind die Reifengröße (Breite) und -622 steht für den inneren Durchmesser, der zum 28 Zoll Reifen passt.
  • 650B (oder 27,5″) Reifen: Eine Mountainbike- und Gravelbike Reifengröße die seltener ist. Diese sind etwas kleiner. Die ETRTO Größe endet auf xx-584 (dieser Felgen- bzw. Reifeninnendurchmesser ist 584mm).
  • 26er Reifen: Klassische Jugendrad und in die Tage gekommene MTB-Reifengröße. Die ETRTO Größe endet auf xx-559.

Achtet also unbedingt darauf, dass die Felge und Reifen jeweils den gleichen Durchmesser haben. Für 28er Reifen ist die magische Zahl: 622. Diese muss in der Felgen- und Reifengrößenangabe stehen.

Tipps und Tricks zur Montage

Damit der Reifen besser auf den Reifen springt gibt es einige Kniffe, die hier im Detail erklärt werden. Jedoch gilt ein Ratschlag immer: Es ist eine Technik- und selten eine Kraftfrage. Wenn ihr viel Kraft aufwenden müsst, dann macht ihr nur in sehr seltenen Fällen etwas richtig. Nur wenn wirklich alle Techniken nicht mehr weiterhelfen solltet ihr wirklich Kraft aufwenden. Und auch nur soweit ihr einschätzen könnt, dass ihr keine Schäden an Felge oder anderem Material vornehmt. Sonst stimmt etwas ganz und gar nicht.

Fingertechnik

Der erste Schritt ist immer, dass man einen Reifen erst Mal ganz ohne Reifenheber versucht von der Felge zu lösen oder auf die Felge zu bringen. Werkzeug sollte man erst zur Hand nehmen wenn wirklich Bedarf entsteht.

Bei der Demontage: drückt den Reifen mit viel Körpergewicht über die Felge. Hier könnt ihr auch ruhig etwas mehr Kraft aufbringen.

Beim Abziehen eines Reifens kann man ordentlich Kraft und mit Gewicht arbeiten, damit der Reifen von der Felge springt.

Bei der Montage: Ähnlich, aber in die umgekehrte Richtung. Zuerst müssen wir aber in die Ausgangsposition kommen, in der schon ordentlich Spannung auf dem Reifen ist.

Zieht den Reifen so weit möglich auf die Felge, ganz ohne Werkzeug. Das Rad ist vor euch und mit beiden Händen bearbeitet ihr den Reifen links und rechts, bis sich die Wulst an der Felge spannt.
Ihr könnt auch eine Seite mit dem Bein fixieren und mit beiden Händen an der anderen Seite arbeiten und so die Spannung aufbauen.

Wichtig ist im ersten Schritt, dass Spannung auf dem Reifen ist. Dieses letzte Stücke ist die Ausgangsposition, ab der man sich Stück für Stück und Millimeter für Millimeter vorarbeitet. Das kann schon Mal knifflig und eng sein. Und geht nicht immer schnell.

Auch hier könnt ihr versuchen den Reifen über die Felge zu legen und auf die andere Seite zu ziehen, damit die Wulst dann mit über die Felge springt. Das geht bei großen Reifen besser als bei schmalen Rennradreifen.
Bei dieser Technik kann man wieder ordentlich mit Kraft arbeiten, solange kein Werkzeug im Spiel ist. Der Reifen wird komplett um die Felge gelegt und dann die Wulst mit über die Felge gewickelt.

Falls das gar nicht geht, versucht erst noch mit Fingern die Wulst immer etwas weiter zu bewegen. Löst sich der Reifen dann immer an der anderen Seite und kommt ihr mit Fingern alleine nicht weiter dann gibt es noch einen hilfreichen Tipp. Bevor es ans Werkzeug geht.

Reifen richtig einbetten

Häufig schon völlig ausreichend ist folgender Trick. Viel mehr sollte es kein Trick sondern immer der erste Schritt sein, wenn man einen Reifen über die Felgenwand wuppen möchte. Die Reifenwulst gehört nämlich in die Felgenmitte – das Felgenbett. Damit gewinnt ihr entscheidende Millimeter im Kampf den Reifen über die Felge zu bringen.

Die Wulst muss rundherum im Felgenbett (in der Mitte) liegen. Das ist ein wichtiger und entscheidender Trick, der den Unterschied machen kann.

Geht einmal rundherum und kneift mit Daumen und Zeigefinger den Reifen etwas zusammen, damit die Wulst in der Felgenmitte liegt. Versucht dabei auch schon Druck auf dem Reifen zu haben (also den Reifen schon weit aufgezogen bis es eng wird). Damit die Wulst im Felgenbett auch bleibt.

Im Querschnitt sieht es so aus, dass die Wulst des Reifens im Felgenbett liegen muss. Dort ist der Umfang der Felge geringer und ihr habt etwas mehr Spielraum.

Reifenheber richtig einsetzen

Klappt es mit Fingerspitzengefühl nicht, dann müssen Reifenheber her. Meist sind die kleinen Reifenheber die erste Wahl, davon dann ein Set von zwei.

Auch hier gilt: In der Ausgangsposition versuchen zu bleiben, die Spannung ist auf dem Reifen. Während man mit dem Reifenheber sich in kleinen Schritten vorarbeitet.

Haltet die eine Seite mit der Hand fest während die andere den Reifen über die Felgenwand drückt. Häufig wird der Reifen auf der entgegenliegenden Seite versuchen wieder abzurutschen. Deshalb darf man nur kleine Schritte mit dem Reifenheber machen. Und muss gleichzeitig mit der anderen Hand (oder gerne den ganzen Körper einsetzen) um die Spannung aufrecht zu erhalten und den Reifen nicht herunterrutschen zu lassen, wo man gerade nicht hebelt.

Während eine Hand die eine Seite fixiert muss man mit dem Hebel versuchen von der anderen Seite in kleinen Schritten vorzuarbeiten.

Der Kabelbinder-Trick

Falls der Reifen immer an der anderen Seite abrutscht, an der man gerade nicht hebelt. Dann kann man dieses Spiel schnell unterbinden. Mit Kabelbindern. Einfach diese so stramm ziehen, wo der Reifen sich wieder über die Felgenseite lösen würde. Der Kabelbinder verhindert das Abrutschen. Ihr müsst diesen aber genau da platzieren, wo die Wulst über die Felge springen würde. Besser erklärt im Bild.

Meist ist dieser Trick schon sehr hilfreich, da man nun beide Hände zum Hebeln frei hat. Der Kabelbinder muss aber gut sitzen und genau an der Stelle liegen, wo die Wulst als nächstes wieder abspringen würde.

Mehr Hebelarm

Wer nicht mit Kabelbindern hantieren will kann sich auch eines größeren Hebels bedienen. Das ist nicht immer beim Aufziehen so hilfreich. Da es meist nicht am Hebelarm scheitert. Dieser hilft eher beim Abziehen von eng sitzenden Reifen.

Große Reifenheber können sehr hilfreich sein, besonders diese mit Metallkern.

Sobald ihr einen wirklich längeren Hebel (etwa ab 15cm) habt wird es auch etwas gefährlicher für die Felge. Mit genug Schmackes kann man durchaus die Felge auch beschädigen. Zwar ist auch das kein Kinderspiel, da muss schon Wumms dahinter sein. Aber wer kann hier schon im Internet eure Kraft einschätzen – das müsst ihr selbst. Wie immer gilt: Wenn unsicher, dann lieber nichts überstürzen. Ein Profi-Mechaniker mit viel Erfahrung und eingeübter Technik könnte aus dem Reifen kurzen Prozess machen.

Einen ganzen Beitrag zu Reifenhebern findet ihr hier:

Eine Runde Sache

Ich hoffe die Tipps konnten euch schon weiterhelfen! Falls nicht, dann hilft leider auch erst Mal nur weiter den Reifen bearbeiten oder ab in die Werkstatt damit.

Für noch mehr Tipps in den Kommentaren sind aber bestimmt alle dankbar. Wenn ihr also noch ein Ass im Ärmel habt, dann schreibt einfach!

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