Schnellspanner oder Steckachse

Heute beleuchten wir ein neues Teil des Fahrradsports, das das Fahrrad zwar nicht revolutioniert, aber von manchen Fahrern als zukünftiger Standard angesehen wird. Seit Jahren vor allem am MTB zu sehen, tritt die Steckachse (Thru Axle) nun auch beim Rennrad standardmäßig zusammen mit der Scheibenbremse auf. Woran liegt das? Weshalb die Kombi mit Scheibenbremse? Was sind die Vor- und Nachteile gegenüber dem klassischen Schnellspanner? Das alles und mehr lest ihr hier.

Unterschied Steckachse – Schnellspanner

Der Schnellspanner wird am Laufrad befestigt und klemmt das Rad mit einem Hebel zwischen den Ausfallenden fest. Die Spannung wird durch eine verschraubbare Mutter eingestellt und es ist wichtig, die richtige Spannung einzustellen. Öffnet man den Hebel, lässt sich das Fahrrad samt Schnellspanner aus dem Rahmen nach unten herausziehen (es fällt theoretisch auch heraus, wenn das Rad angehoben wird). Dafür sind die Ausfallenden nach außen hin offen.

Schnellspanner am Mountainbike

Steckachsen sind sehr viel dicker, haben manchmal aber auch einen Hebel. Manchmal werden sie mit einem Inbusschlüssel geöffnet, was eleganter aussieht, aber die Demontage verlangsamt. Spannung braucht man hier nicht einzustellen. Denn bei der Steckachse wird das Laufrad nicht durch mechanische Spannkraft festgehalten. Die Steckachse ist, ganz grob ausgedrückt, ein Stift, der durch die Ausfallenden und das Laufrad geführt wird. Das hintere Ausfallende hat hierbei ein Gewinde, um die Steckachse darin zu verschrauben. Die Steckachse ist also eher ein Teil des Rahmens. Wenn man den Hebel bzw. die Inbus-Mutter der Steckachse aufdreht, lässt sich die Steckachse wieder herausziehen, wodurch das Laufrad herausfällt. Die Ausfallenden sind bei einem solchen Rahmen geschlossen.

Steckachsen sind dicker und werden direkt in den Rahmen geschraubt, Schnellspanner haben eine Mutter auf der anderen Seite

Steckachse Vor- und Nachteile

Vor-/Nachteile Steckachse


Die Vorteile der Steckachse gegenüber Schnellspanner sind:



  • Man dreht die Steckachse einfach ganz zu, damit sie fest im Rahmen sitzt. Dadurch besteht gar keine Gefahr, dass man sie zu fest oder zu lose einstellt.

  • Das Laufrad sitzt immer perfekt auf der Achse. Nach jedem Aus- und Einbau sitzt das Laufrad wieder exakt wie beim letzten Mal. Beim Schnellspanner andererseits besteht die Gefahr, dass das Laufrad nicht perfekt zentriert sitzt. Es könnte zu weit links oder rechts sitzen – oder aber es könnte leicht verwinkelt eingebaut sein. Vor allem bei Scheibenbremsen kann das Laufrad so beim Fahren lästige Schleifgeräusche verursachen oder abbremsen.

  • Die Steckachse hält größeren Belastungen stand. Das ist vor allem bei Downhill-Mountainbikes von Wichtigkeit.

  • Das Laufrad sitzt steifer im Rahmen und dadurch ist das Lenken präziser.


Die Nachteile der Steckachse gegenüber Schnellspanner sind:



  • Die Demontage dauert durch das Aufdrehen etwas länger. Dadurch gehen beim Rennen wertvolle Sekunden verloren. Tests zeigen: Man benötigt gut 10 bis 15 Sekunden länger für den Wechsel von Rädern mit Steckachse.

  • Die Steckachse wiegt mehr als der Schnellspanner.

  • Das Fahrrad muss kompatibel zur Steckachse sein. Laufräder bzw. Naben müssen breitere Aussparungen haben und der Rahmen muss zur spezifischen Steckachse passen. Das bedeutet nicht nur passenden Durchmesser und Breite – auch die Gewinde sind von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich fein. Solchen Problemen kann man nur teilweise mit Adaptern aushelfen.


Größen und Durchmesser der Steckachsen / Schnellspanner

Was die Kompabilität unterschiedlicher Systeme angeht, so muss man bei den Steckachsen und Schnellspannern folgende Größen im Kopf behalten:

  • Einbaubreite: Wie breit ist die Nabe?
  • Achsendurchmesser: Welche Stärke hat die Achse, welche Breite unterstützt die Nabe?
  • Gewinde: Welches Gewinde hat die Steckachse?

Im Schaubild ein Überblick dieser Größenangaben und Definitionen.

steckachse größe diagramm
a: Einbaubreite (Breite der Nabe); b: Durchmesser Nabenachse; c: Durchmesser Steckachse; d: Steckachsenlänge

Bei den Steckachsen und Schnellspannern sind folgende Größen geläufig.

Vorderrad / HinterradEinbaubreiteAchsendurchmesserSchnellspanner (QR) / Steckachse (TA)
VR90mm (alte Räder)Gängige Größen:
5mm
8mm
QR
VR100mmGängige Größen:
5mm
8mm
9mm
QR
VR100mmGängige Größen:
9mm (selten)
12mm
15mm (MTB)
20mm (MTB / Downhill)
TA
VR>100mm (moderne Räder, selten)12mm
15mm
20mm
TA
HR110mm bis
130mm
(alte Rennräder, Stahlrahmen, Fixie, Singlespeed)
Gängige Größen:
5mm
8mm
9mm
QR
HR130mm bis
135mm
(moderne Räder mit 7-11fach Schaltung)
Gängige Größen:
5mm
8mm
9mm
QR
HR130mm bis
135mm
(moderne Räder mit 7-11fach Schaltung)
12mm
15mm
20mm
TA

Was man bei der Steckachse wissen muss – 3 Regeln

Welche Steckachse braucht man also? Was passt zu was? Hier das Wichtigste nochmal auf den Punkt gebracht bei Umbau und Umrüst-Fragen:

  1. Die größte Einschränkung: Steckachse muss zum Rahmen (bzw. zur Gabel) passen. Bei Durchmesser und Breite sind verschiedene Standards im Umlauf. Aber auch das Gewinde unterscheidet sich. Teilweise findet man bei Ersatz-Steckachsen Angaben für die Gewindesteigung, teilweise auch nicht. Wenn man wirklich die Steckachse wechseln möchte, ist man am besten beraten, wenn die Steckachse für den spezifischen Rahmen hergestellt wurde.
  2. Die Nabe bzw. das Laufrad muss bloß zum Durchmesser und zur Breite der Steckachse passen. Hier hat man also mehr Freiheit.
  3. Außerdem stehen verschiedene Adapter zur Verfügung. Oftmals lässt sich damit ein Laufrad mit breiterer Aussparung auf eine schmalere Steckachse befestigen. Oder ein Laufrad für Steckachse lässt sich so auf Schnellspanner umrüsten. Diese Adapter haben die Form von Endkappen, die man auf die Naben befestigt. Die Breite muss dann aber auch passen, was es wieder kompliziert macht. Deshalb werden solche Adapter meistens auch für einige ausgewählte, ganz spezifische Umrüstung-Szenarios hergestellt.
    Die meisten Marken-Naben Hersteller (zB. DT SWISS) bieten für ihre Naben entsprechende Sets zum umrüsten.

Ursprung des Schnellspanners

Die Idee für den Schnellspanner kam dem Radsportler Tullio Campagnolo bei einem Rennen 1927. Es war ein eisiger Novembermorgen und Campagnolo wollte für die kommenden Steigungen in einen leichteren Gang schalten. Damals ging das nur, indem man das Hinterrad ausbaute, wendete und so wieder einbaute. Denn die Hinterräder hatten an beiden Seiten Zahnkränze, die unterschiedlich groß waren. In der Kälte wollte Campagnolo diese Schraubarbeit nicht gelingen und er verlor wegen dieser Umbau-Arbeit kostbare Zeit. Drei Jahre später patentierte er seine Idee für den Schnellspanner – einen Hebel, mit dem man binnen weniger Sekunden das Laufrad wechseln kann. Damit endete seine Karriere als Radsportler und dafür begann aber eine Karriere, die später zur Gründung der Marke Campagnolo führte.

Zwar ist es nun schon lange her, dass der Gangwechsel eine solch umständliche Montage erfordert, und trotzdem ist der Schnellspanner der Standard im Radsport. Es ist einfach ein brillantes Design – schnell, leicht und trotzdem sicher.

Unsachgerechter Gebrauch von Schnellspanner

Wofür braucht man also etwas Neues, wenn der Schnellspanner doch schon seit Jahrzehnten tadellos funktioniert? Jahre des Gebrauchs zeigen, dass der Einsatz des Schnellspanners für viele Fahrer nicht ganz so einfach ist. Immer wieder spannen Radfahrer den Schnellspanner zu fest oder nicht fest genug, was zu Schäden führen kann. Dieser Einwand wird von manchen Rad-Profis als Marketing-Masche gesehen, um den Konsumenten Angst einzuflößen. Doch Tatsache ist, dass viele Radfahrer nicht sachgerecht mit ihren Schnellspannern umgehen. Deshalb: Wenn nicht Steckachse, dann nochmal in der Gebrauchsanleitung vom Schnellspanner nachlesen.

MTB, Scheibenbremse und Umdenken

Außerdem besteht ein Unfallrisiko in Kombination mit neueren Bauteilen oder den Herausforderungen des immer beliebter werdenden MTB-Sports. Vor allem beim Downhill sorgt die Steckachse für mehr Sicherheit. Ansonsten kann es vorkommen, dass sich der Schnellspanner aufgrund der höheren Belastung löst und das Vorderrad während des Fahrens freigibt.

Aber die Steckachse bringt beim MTB auch ganz allgemeine Vorteile: Das Laufrad sitzt fester im Rahmen, wodurch man mehr Steifigkeit und Stabilität hat. Aber auch die Lenkpräzision steigt, wenn das Vorderrad auf einer Steckachse sitzt.

Zwischendrin: 10mm Thru Bolt von DT Swiss

Als Sonderheit findet man außerdem noch den sogenannten „Thru Bolt“ von DT Swiss, Durchmesser 10mm. Damit ist der Durchmesser sehr viel größer als bei gewöhnlichen Schnellspannern. Der Thru Bolt wird trotzdem auf normalen Ausfallenden montiert und funktioniert technisch gesehen wie ein Schnellspanner, indem es das Laufrad von beiden Seiten durch Spannung festklemmt. Doch es verbindet den Schnellspanner mit der Nutzerfreundlichkeit der Steckachse – zur Einstellung der Spannung dreht man den Hebel einfach so fest wie möglich. Tests zeigen: Die Steifigkeit ist vergleichbar mit einem Schnellspanner oder geringer.

Welches Fett für Steckachse?

Viele Radfahrer raten dazu, die Steckachse mit einem ganz dünnen Fettfilm zu behandeln. Ansonsten kann Wasser in das Gewinde eindringen und zu Kontaktkorrosion zwischen den Metallen führen. Es ist schon unvorsichtigen Radfahrern vorgekommen, dass die Steckachse über den Winter hin verrostet ist und so im Rahmen feststeckt.

Zum Fetten der Steckachse eignet sich das gewöhnliche Lagerfett, Montagefett oder jedes handelsübliche Fett, das man sonst auch zur Pflege des Fahrrads verwendet. Auch ein paar Tropfen Motoröl oder kurzes Einsprühen mit WD-40 schützt vor Rost.

Wird die Steckachse zum Industriestandard für Radsportler?

Für Mountainbiker ist die Steckachse sehr nützlich. Manche MTB-Fahrer halten trotzdem treu zum klassischen Schnellspanner. Und was die Rennräder angeht, fragen sich die meisten Fahrer noch: Wozu wechseln? Immerhin funktioniert der Schnellspanner tadellos, wenn man ihn richtig einstellt. Steckachsen werden immer öfter gesehen, doch zum universellen Industriestandard werden sie wahrscheinlich nicht aufsteigen. Genauso wie bei den Scheibenbremsen wird es immer noch Rennräder mit der konventionellen Alternative geben, weil diese sich Jahrzehnte lang bewährt hat und leichter ist.

FAQ

Welche Steckachse?

Ein normales Fahrrad lässt sich nicht auf Steckachse umrüsten. Denn die Steckachse benötigt einen speziellen Rahmen mit Gewinde, in das sich die Steckachse verschrauben lässt. Beim Wechseln der Steckachse muss man nicht nur darauf achten, dass Durchmesser und Breite mit der alten Steckachse übereinstimmen. Auch das Gewinde muss passen – denn selbst beim Gewinde ist noch kein einheitlicher Standard vorhanden. Das heißt, man versucht es am besten mit dem gleichen Hersteller oder mit einer Steckachse, die explizit für den spezifischen Rahmen freigegeben ist.

Steckachse wie fest anziehen?

Das ist bei der Steckachse ganz einfach. Man dreht die Steckachse einfach so fest wie möglich in das Gewinde. Anders als bei einem Schnellspanner kann man hier nichts falsch machen, weil das Gewinde die Spannung quasi vorgibt. Das Laufrad sitzt immer genau gleich auf der Achse.

Wie funktioniert Steckachse?

Die Steckachse hält das Laufrad mittels radialer Klemmung an der Stelle. Mehr erfährst Du hier: Unterschied Steckachse – Schnellspanner.

Warum Steckachse?

Die Steckachse bietet Vorteile, vor allem bei Fahrrädern mit Scheibenbremse oder bei Mountainbikes. Hier findest Du eine Liste von Vorteilen: Steckachse Vorteile.

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