Fahrradreifen wechseln Anleitung & Tipps

Bei jeder kleinen oder großen Radtour kann es passieren, dass der Fahrradreifen gewechselt werden muss. Um an den Schlauch zu kommen oder den Mantel zu wechseln.

Um möglichst gut auf solche Situationen vorbereitet zu sein, wenn mal keine Werkstatt in der Nähe ist, erfahrt ihr hier in einer kurzen Anleitung die Vorgehensweise eines Fahrradreifenwechsels.

Weitere Tipps und Tricks

Habt ihr einen Platten? Dann lest hier wie ein Fahrradschlauch geflickt wird.

Weitere Tipps und Ratgeber:

Demontage der Laufräder und Fahrradreifen

Gummi (Kautschuk) und Gewebelagen überziehen den Fahrradreifen (Karkasse). Dieser sitzt auf der Felge. Die meisten Fahrräder haben sogenannte „Drahtreifen“, die zwei Drähte im Inneren des Reifens haben. Diese Wulst wird über die Felge gezogen. Haken halten den Drahtreifen innerhalb der Felge.

Querschnitt eines Drahtreifens und Hakenfelge

Mit Reifenhebern aus Plastik werden die Drahtreifen über die Haken der Felge gezogen.

TIPP

Zur Demontage der Reifen sollte das Rad in einem Montageständer platziert werden. Falls nicht möglich, dann legt das Rad auf die kettenabgewandte Seite um das Schaltwerk nicht zu beschädigen. Auf dem Kopf kann das Rad auch stehen – die Bremshebel, Klingel oder Licht am Lenker sollten dabei nicht verbogen werden. Bei Scheibenbremsen mit Hydraulik kann Luft in das System gelangen, wenn das Rad auf dem Kopf steht!


Bei Laufrädern ohne Schnellspanner muss eine Mutter gelöst werden. Benutze Schmierfett um das Achsgewinde zu pflegen und Rost zu vermeiden.

Fahrradreifen wechseln – Anleitung

Zuerst muss das zu wechselnde Laufrad abmontiert werden, um so sinnvoll mit dem Laufrad arbeiten zu können. Handelt es sich bei dem Fahrrad um eines mit Schnellspannverschluss, so ist die Demontage schnell erledigt. Liegt ein Nabenverschluss vor, muss dieser erst komplett entfernt werden. Ist das Rad noch zusätzlich mit Schrauben befestigt, so wird meist ein Schraubenschlüssel der Größe 15 benötigt, um diese zu entfernen. Generell ist es bei Fahrrädern und deren Zubehör ratsam, Produkte erst nach einem Preisvergleich zu kaufen, da Preise Saisonal bedingt schwanken können. Gerade im Herbst sind die meisten Modelle deutlich reduziert.

Nabe mit Befestigungsschrauben, diese werden mit einem 14er oder 15er Maulschlüssel auf- und zugemacht.
Ein weiteres gängiges Modell der Nabenschraube. Hier wird ein Sechskant-Schlüssel zum öffnen benötigt.

Bevor es nun letztlich an das Fahrradreifen wechseln geht, muss vorher noch die komplette Luft aus dem Fahrradreifen gelassen werden. Alternativ kann es reichen die Bremse zu öffnen. Rennradbremsen haben häufig einen Hebel an der Bremse. V-Brakes können den Bremszug aushängen.

Die Rennradbremse Shimano 105 hat einen Hebel zum öffnen und schließen der Bremse.
Die V-Brakes können einfach geöffnet werden. Drückt die Bremse zusammen und zieht den Bremszug aus der Halterung. Nun klappen die Bremsflanken links und rechts ab.

Nun drückt man den Fahrradreifen von der die Felge, um besser mit einem sogenannten Reifenheber unterhalb des Reifens zu gelangen und diesen dann über die Felge hebeln zu können. Dazu nimmt man einen zweiten Reifenheber und setzt diesen genauso an, während der erste in fester Position gehalten wird. Sollte solch ein  Reifenheber nicht vorhanden sein, kann jeder flache Gegenstand hierzu genutzt werden, man sollte jedoch darauf achten, nichts zu benutzen, was den Fahrradschlauch oder Felge beschädigen könnte.

Die Reifenheber können in den Speichen eingehängt werden. So könnt ihr einen zweiten Reifenheber ansetzen. Damit könnt ihr nun den Mantel ganz abstreifen.

Anschließend hebt man den Fahrradreifen über die Felge des Laufrads und untersucht diesen auf Fremdkörper, die gegebenenfalls entfernt werden müssen. Weiterhin muss auch das Felgenband kontrolliert werden. Ist dieses nicht mehr in seiner richtigen Position, oder beschädigt, so muss es zurechtgerückt oder komplett ausgetauscht werden. Der Fahrradschlauch wird ebenfalls auf Beschädigungen untersucht und bei Bedarf geflickt (Anleitung Fahrradreifen flicken) oder ausgetauscht. Eine Anleitung liegt dem üblichen Flickwerkzeug bei.

Denkt daran das Ventil komplett zu montieren, wie hier auf dem Bild zu sehen.

Fahrradreifen Montage

TIPP


Um den Reifen und Schlauch perfekt auszurichten sollte das Ventil des Schlauchs auf der gleichen Höhe sitzen wie das Logo und Größenangabe auf dem Reifen. So findet ihr das Ventil am Reifen schneller.


Achtet beim Ventil darauf, dass dieses im 90°-Winkel aus der Felge schaut. Ein schief sitzendes Ventil kann sonst abreißen und zur Panne führen.


Verwendet zur Montage des Schlauchs und Reifen nur eure Hände und wenn nötig Reifenheber aus Kunststoff. Schrauben am Ventil werden mit der Hand festgezogen.


  1. Um nun den Fahrradreifen wieder zu montieren, muss der Fahrradschlauch leicht aufgepumpt und in den Reifen gezogen werden. Nehmt das Laufrad vor euch, mit dem Ventilloch der Felge nach oben.
  2. Achtet beim Aufziehen des Reifens auf die Pfeilrichtung auf der Reifenflanke. Die Pfeile geben die Drehrichtung des Reifens an. Montiert die Räder später so, dass die Pfeile in Fahrtrichtung zeigen. Setzt nun den Schlauch in den Reifenmantel ein.
  3. Prüft das Felgenband auf der Felge. Es sollte im inneren der Felge ein Textil- oder Kunststoffband liegen. Dieses verhindert, dass der Schlauch in die Felge gedrückt wird. Die spitzen Schrauben und Unebenheiten im inneren des Felgenbetts könnten den Schlauch beschädigen.
  4. Zu guter Letzt muss noch der Mantel über die Felge gezogen werden, damit dieser fest innerhalb der Hakenfelge aufliegt. Hierzu wird etwas Kraftaufwand nötig sein. Ein wenig leichter wird das Überziehen durch Kneten des Mantels und Verwendung des Reifenhebers.
  5. Befindet sich nun der Schlauch komplett im Mantel, kann dieser weiter aufgepumpt werden. Man sollte dabei immer beachten, wie sich der Schlauch im Mantel positioniert. Ist der Schlauch wieder voll aufgepumpt, kann das Rad nun wieder befestigt werden.
  6. Beim Aufpumpen des Schlauchs kann es passieren, dass Beulen am Reifen entstehen. In diesem Fall muss die Luft aus dem Schlauch gelassen werden. Der Reifen sitzt an dieser Stelle noch nicht im Reifen, hebt mit einem Reifenheber den Mantel an und drückt den Schlauch weiter in den Mantel hinein.

Das war es auch schon, nun steht einer Radtour im Freien nichts mehr im Wege, man tut seiner Gesundheit etwas Gutes und kann bei Bedarf den Weg zu einer Werkstatt vermeiden! Fahrradreifen wechseln kann wirklich jeder, auch wenn es sich in dieser Beschreibung etwas kompliziert anhört. Wenn ihr zum Thema „Fahrradreifen wechseln“ Tipps habt, lasst es uns wissen.

Montage Schwergängiger Reifen

Selbst wenn die Reifengröße und Felge übereinstimmen kann es passieren, dass der Drahtreifen nur schwer montiert werden kann. Andere Reifen sind kinderleicht aufzuziehen. Schwalbe Marathon Plus sind ein häufiges Beispiel für schwergängige Fahrradreifen. Selbst mit viel Kraft kann es passieren, dass der Reifen auf einer Seite herausrutscht während man von der anderen Seite versuch den Draht über die Felge zu bekommen.

In diesen Fällen solltet ihr Kabelbinder verwenden. Mit diesen sichert ihr den Teil des Reifens, der schon auf der Felge sitzt. Wenn ihr nun weitere Teile des Reifens versucht aufzuziehen wird der Reifen nicht mehr von der anderen Seite herunterrutschen.

Weitere Tipps zur Montage

Häufig können ein paar Mittel die Montage erleichtern und die Langlebigkeit des Fahrradreifens erhöhen.

Zur Montage empfiehlt es sich den Fahrradreifen mit etwas Seifenwasser zu befeuchten. Montagepaste eignet sich hier ebenfalls. Dadurch kann der Reifen einfacher über die Flanken der Felge gezogen werden.

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10 Antworten auf „Fahrradreifen wechseln Anleitung & Tipps“

  1. Hat der Schlauch ein „französiches“ Ventil, kann man den Schlauch ganz wenig aufgepumt zuerst in den Mantel legen, dann das Ventil des Schlauchs zusanmmen mit dem Mantel durch das Ventiloch in der Felge stecken und vom Ventil aus alles in die Felge schieben. Der Draht des Reifens muß möglichst in der Mitte der Felge sein, da hier der Durchmesser der Felge kleiner ist, dann bekommt man den Schlauch meist ohne Werkzeug in die Felge. Gegebenfalls muß man wieder etwas Luft herauslassen, um das letzte Stück über die Felge zu bekommen.

    Bei einem Schlauch, der ein Ventil mit einer Überwurfmutter hat, muß das Ventil zuerst durch das Felgenloch und dann ganz wenig aufgepumpt werden. Dann eine Seite des Mantels über den Schlauch beim Ventil in die Felge legen und diese eine Seite des Schlauchs über die ganze Felge ziehen. Dabei ist es wie oben erwähnt wichtig, dass der Draht der Felge in der Mitte der Felge ist, sonst bekommt man den Rest des Mantels nur mit viel Kraft und Reifenhebern über die Felge. Man kann auch zuerst die eine Seite des Mantels in die Felge legen, den Schlauch leicht aufpumpen und dann das Ventil durch die Felge schieben. Wenn die zweite Seite des Mantels mit aufgepumtem Schlauch nicht über die Felge geht, dann etwas Luft wieder herauslassen. Nur bei ganz neuen Reifen benütze ich Reifenheber, insbesondere bei unplattbaren Reifen. Bei der Demontage benütze ich Reifenheber nur dann, wenn ich ohne diese den Mantel nicht über die Felge bekomme. Zur Montage oder Demontage unplattbarer Reifen wird man meist Reifenheber benötigen. Unplattbare Reifen sind wegen der Schutzeinlage steifer.

    LEBENSWICHTIG:
    DIE SEITEN DES MANTELS MIT GLEITMITTEL EINREIBEN, BEVOR MAN DEN MANTEL IN DIE FELGE HEBT!! Das Gleitmittel kann etwas Seife mit Wasser sein oder man kauft sich Gleitmittel im Fahrradfachgeschäft. Das Gleitmittel bewirkt, dass die Seiten des Mantels an der Innenseite der Felge gleiten können und sich so zentrieren, wenn fester aufgepumt wird. Wenn dieses Gleiten nicht geschieht, dann kommt es vor, dass der Mantel einen Höhen- oder Seitenschlag hat, weil er sich nicht zentriert hat und sogar an der Stelle, wo er nicht tief genug unter dem Felgenrand sitz, dort vom stark aufgepumten Schauch herausgedrückt wird. Dann platzt der Schlauch und der Mantel spring sofort von der Felge ab. Währen einer schnellen Fahrt und in einer Kurve würde man stürzen, mit allen Konsequenzen. Mir ist das passiert, glücklicherweise bei langsamer Geradeausfahrt, ohne Sturz.
    Wenn der Mantel montiert ist pumpe ich ca. 20 bis 30 Schläge mit der Handpumpe auf und rotiere das Rad, um zu sehen, ob der Mantel EXAKT RUND läuft. Läuft er nicht WIRKLICH GANZ EXAKT RUND, das heißt, VÖLLIG OHNE SEITEN- oder HÖHENSCHLAG, dann muß der Mantel UNBEDINGT WIEDER DEMONIERT WERDEN und noch mehr Gleitmittel an den Seiten des Mantels aufgebracht werden. Ein schlagender Mantel, der ohne Gleitmittel montiert wurde zentriert sich auch voll aufgepumpt NICHT.
    Nicht unter dem angegebenen Mindestdruck aufpumpen! Die Walkarbeit bricht sonst die Seiten des Mantels auf. Das insbesondere bei Unplattbaren – die steife Einlage würde ihn von innen her allmählich ‚durchschneiden‘.

  2. Lieber Reinhold,

    Es war für mich sehr amüsant Deine Anleitung zur Reifenreparatur zu lesen. Du hast sehr klar und verständlich geschrieben, also auch für nicht Fachleute voll nachvollziehbar.
    Als alter, aber nicht mehr funktionsfähiger Radler, hab ich das früher ganz genau so, wie von Dir beschrieben, gemacht.
    Glernt is glernt, gell?

    Ich wünsch‘ Dir weiterhin viel Spaß beim Radeln und keinen Platten.

    Herzliche Grüße von Deinem alten Spezl Walter

  3. Vielen Dank für die gute Anleitung. Nach einem Platten durch ein Winterschlagloch habe ich den Schlauch hinten gewechselt. Bei einer etwas zügigen Bergabfahrt danach bemerkte ich dann eine massive Unwucht im Rad, der nicht von der Felge her stammen konnte. Also noch einmal alles demontiert, etwas „Flutschie“ (Wasser mit Spüli) auf die Mantelwände aufgetragen, den Mantel sorgfältig auf die Felge gezogen und zunächste ein wenig aufgepumpt, den Mantel etwas massiert, dann voll aufgepumpt (Danke für den Tip mit dr Beschriftung des maximalen Luftdrucks auf dem Mantel, das war mir neu).

    Direkt 2 Fehler bei der ersten Montage gehabt:
    1. zu wenig Luft, ich dachte 3,5 bar sind optimal, doch es waren 6 bar. Dadurch konnte der Mantel sich gar nicht richtig setzen.
    2. kein „Flutschie“ auf der Reifenwand. Ich denke zur Not tut es unterwegs auch etwas Wasser, besser als nichts.
    3. Laufkontrolle mittels eines Fixpunktes

    Ich hatte wohl noch Glück, das ich nichts beschädigt habe.

  4. Lieber Reinhold

    du bist gut, ja klasse sogar wie Ihr Deutschen doch so gerne sagt, ich bin ein kleiner
    Schweizer aus Bern der ein altes Rennvelo vom Grossvater geerbt hat, welches ich überaus mag-Das Problem der Renner mit Jahrgang 71 ist schwer zu steuern und ein wirklich gefährliches Velo mit sehr schmalen Pneus…Lange Rede kurzer Sinn ich musste hinten wechseln und Dank Deiner genialen „Seifetechnik“ hat das voll funktionert! Ich bin kein guter Handwerker und Dir deshalb sehr dankbar für den genialen Tipp. Liebe Grüsse aus der Schweizer Bundes und BEAMTEN Stadt Bern Stefan.

  5. Danke Jungs,
    fahre seit Februar nur noch Fahrrad, als Mädel hatte ich immer meine grösseren Brüder oder meinen Exmann, die mich immer mit ihrer Repartur hinhielten und richtig zickig wurden, wenn ich doch bald wieder fahrradfahren wollte. Mittlerweile fahre ich täglich 30 bis 60km zur Arbeit und Nebenjob. Fange gerade mit den ersten Reparaturen an, hab ich wirklich unterwegs einen Platten, trampe ich gerne einschließlich Fahrrad mit einen LKW und repariere zu Hause. Für die Kleinigkeiten unterwegs habe ich immer Gartenhandschuhe dabei, weil meine Hände sonst für den Job nicht mehr sauber werden.

  6. Und wenn ihr den Schwalbe Marathon Plus nehmt, habt ihr fast gar keine Platten mehr! 7500 Kilometer sind wir gefahren, ohne einen einzigen Platten! Fazit, es lohnt sich :)!

  7. Das mit den Platten stimmt – allerdings ist der Marathon plus auch ein arger Unwucht- und Höhenschlag-Kandidat. Habe ihn deshalb gerade nach 18 Monaten und gut 7.000 km runter geschmissen – obwohl das Profil noch top war. Aber lieber einmal im Monat flicken als jeden Tag hoppeln…

  8. Lieber Rheinhold

    Etwas zu Lebenswichtig:

    Klar, ohne Reifenmontagefluid gibt es bei mir keine Reifenmontage. Bevor ich den Reifen mit Reifenmontagefluid behandle, besprühe ich das Reifeninnere mit TALKUM Puder. Dann drehe ich der Reifen komplett durch, damit sich der Pulver überall gut verteilen kann. Erst dann behandle ich der Reifen mit dem Reifenmontagefluid. Der Talkumpuder trennt der Reifen vom Schlauch, und reduziert damit das Pannenrisiko deutlich, d.h. der Schlauch kann sich bewegen und wird nicht an den Reifen kleben! Gute Fahrt und viele Grüsse aus der Schweiz. Andrej

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